Umgang mit negativen Reaktionen

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside.

(Arianna Davis)

Die erste Zeit ist mit Abstand die Schwerste, das hat aber auch etwas Gutes, es geht von Tag zu Tag aufwärts ;-) Zu Beginn sieht man ziemlich bescheiden aus, man wird von den meisten Menschen auf den ersten Blick als “Mann in Frauenkleidern” wahrgenommen und das tut grausam weh und braucht enorm viel Kraft und Rückgrat. Das führt bei den Meisten – auch bei mir – zuerst zu Vermeidungsstrategien und die sind absolut zerstörerisch und müssen bekämpft werden.

Ich bin transsexuell – na und?
Gerade weil man zu Beginn viele schräge Blicke oder Schlimmeres erdulden muss, ist es umso wichtiger, innerlich die richtige Einstellung zu haben. Widerstehe dem Drang, eine “normale Frau” zu sein und unerkannt zu sein. Steh zu Dir selbst. Du bist eine transsexuelle Frau, hast Dir das nicht ausgesucht und nicht verschuldet, Du bist einfach so und das ist ok. Die Glotzerei Deines Umfelds und allfälliges Gegrinse sind nicht Ausdruck Deiner Abartigkeit sondern Ausdruck des Unverständnisses. Die Leute sind irritiert, weil sie sowas in der Regel noch nie gesehen haben, lass sie gucken, das soll nicht Dein Problem sein. Eine Raupe ist irgendwie niedlich, ein Schmetterling ist wunderschön, aber der Cocoon sieht befremdend aus, damit musst Du leben – im Bewusstsein, dass Du mit der Zeit fliegen lernst.

Mit jedem Tag wird es besser
Gerade in der Anfangszeit, wenn Du viel beobachtet und belächelt wirst, halte Dir immer vor Augen, dass Du Dich fortan von Tag zu Tag entwickeln wirst. Am Anfang schauen Dich 90% der Leute blöd an, dann 80%, dann 70%, irgendwann aber wird der Tag kommen, an dem 90% der Leute Dich nicht mal mehr beachten, an dem Du ein Mädel unter Tausenden bist. Selbst dann wird es gelegentlich Leute geben, die Deine Andersartigkeit bemerken, aber diese sind bis dann eine Minderheit und mit der wirst Du leben können. Aber es wird ganz langsam aufwärts gehen, so langsam, dass Du es kaum bemerkst. Doch eines Tages wirst Du zurückblicken und verwundert feststellen, dass alles anders geworden ist. Bei mir war es genauso, zu Beginn fühlte ich wie in einem Zoo, ich wurde angestarrt als ob ich ein Alien wäre, heute gehe ich in der Menge unter und nur noch selten schaut mich jemand irritiert an. Und selbst dann kann ich über der Sache stehen, weil mich diese ganze harte Zeit stark gemacht hat und ich heute zu mir stehen kann, als eine transsexuelle Frau, die sich für nichts zu schämen hat, gerade weil sie nichts anders tut als sich selbst zu sein, etwas was den meisten der sogenannt Normalen nie gelingt.

Den Mutigen gehört die Welt
Wichtig dabei ist, dass man sich nicht versteckt. Wozu erkämpfe ich mir mein Leben, wenn ich es dann im Geheimen leben muss? Ich habe ein Leben lang darunter gelitten, nicht mich selbst sein zu können. Jetzt kann und tue ich genau das, mich jetzt zu verstecken, wäre Verrat an mir selbst und würde meinen Weg zur totalen Sinnlosigkeit degradieren. Du hast Dich entschieden, Dich selbst zu sein und für Dich einzustehen, dann geh Deinen Weg und lass die Leute reden, oder lass sie lachen, lass sie spotten, aber geh Deinen Weg weiter, Dir selbst treu, so wirst Du wahres Leben finden!

Dieser Beitrag ist eine Kopie von Texten aus meinem Frage-Blog und Blog-Tagebuch und wird gelegentlich ersetzt durch einen umfangreicheren Beitrag:
Aller Anfang ist schwer – Angst vor der Öffentlichkeit

Ausserdem verweise ich auf einen Text in meinem Blog-Tagebuch in dem ich von einem Erlebnis erzähle, in dem eine negative Erfahrung auch positiv gesehen werden konnte:
Positives Denken als transsexuelle Frau?

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