Stimmtraining und Logopädie

Während transsexuelle Männer den Vorteil haben, dass sie bei Einnahme von Testosteron den Stimmbruch bekommen und sich die Stimme dem Geschlecht anpasst, ist bei transsexuellen Frauen der bereits in der Pupertät eingetretene Stimmbruch irreversibel. Man kann zwar Stimmbandoperationen machen, aber die sind doch ein zusätzliches Risiko und das Resultat möglicherweise etwas comics-artig. Was jedoch viel bringt, ist Stimmtraining mittels Logopädie. Damit kann man zwar nicht zaubern, aber man rückt die Stimme und viel mehr die Sprechweise in die richtige Richtung.

Eine wesentliche Stimmerhöhung ist mit Logopädie nicht möglich. Man müsste etwa eine Oktave (8 Töne) höher kommen für eine typisch weibliche Stimme, schafft aber in der Regel kaum mehr als 2-3 Töne. Aber das ist halb so wild, es gibt genug Frauen mit tiefer Stimme. Wichtiger ist die Aussprache. Frauen verhauchen die Worte mehr, was ein sanfteres Sprechen bewirkt und Männer akzentuieren die Wortanfänge stärker, was die Worte abgehackter wirken lässt. Ausserdem gibt es grosse Unterschiede in der Satzmelodie und vieles mehr.

Logopädie funktioniert so, dass man mit gezielten Übungen den Automatismus der Sprache verändert. Rund ein dutzend Sitzungen bei einer guten Logopädin plus ein paar Übungsstunden zuhause, reichen, damit die Sprache deutlich weiblicher wird. Das Gute daran ist, dass man dazu nicht ständig die Stimme kontrollieren muss. Diese Übungen sind so ausgelegt, dass “das Sprechhirn” umlernt und die neue Sprechweise in den Automatismus übergeht. Mit der Zeit spricht man einfach sanfter, ohne dass man sich das noch bewusst ist.

Bei mir reicht das, damit Menschen die mich sehen, die Stimme als relativ weiblich empfinden. Aber nur in Kombination mit dem Auge. Am Telefon werde ich nachwievor als Mann angesprochen. Aber damit lässt sich einigermassen gut leben. Vor der Logopädie hatte ich oft Momente, in denen mich beispielsweise in einem Laden Leute als Frau wahrgenommen haben, aber wenn ich dann etwas sagte, löste das enorme Irritationen aus. Unterdessen ist das Vergangenheit, wenn ich mal optisch in der Schublade “Frau” bin, wird die Stimme vielleicht als ungewöhnlich aber nicht mehr als völlig unpassend wahrgenommen.

Deshalb empfehle ich Dir, so früh wie möglich darauf zu drängen, dass Du vom behandelnden Arzt an die Logopädie verwiesen wirst, es wird Dir das Passing und somit den Alltag bedeutend vereinfachen.

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