Medizinische Hilfe: Kompetenzzentrum?

Dieser medizinisch doch hoch komplexe Weg sollte mit Fachleuten zusammen gemacht werden. Wer genug Geld hat und auf eine Kostengutsprache der Krankenkasse verzichten kann, kann natürlich auch im Alleingang alles durchlaufen. Aber ich persönlich halte eine psychologische Begleitung für sinnvoll und die Meisten dürften eh nicht in der Lage sein, alles selber zu finanzieren.

Damit stellt sich die Frage, von wem man sich begleiten lässt, von einem der sogenannten Kompetenzzentren oder von einem privaten Arzt. Ich persönlich habe ein Kompetenzzentrum gewählt, das Zürcher Universitätsspital. Und auch wenn ich in einigen Dingen nicht deren Meinung war und es auch genug zu meckern gab, würde ich trotzdem diesen Weg empfehlen. Warum, habe ich hier beschrieben:
Und trotzdem empfehle ich das UniSpital
Einerseits bietet so ein Kompetenzzentrum ein grosses Netzwerk an Fachleuten, anderseits haben Gutachten von dort ein hohes Gewicht und damit ist auch Ärger mit der Krankenkasse faktisch ausgeschlossen.

Kritiker von Kompetenzzentren bemängeln teilweise zu Recht, dass Psychiater oft vorallem als Gutachter und nicht als Unterstützer fungieren. Daraus resultiert ein Misstrauensverhältnis, das auch schädlich sein kann. Ebenfalls fragwürdig sind die im deutschsprachigen Raum verbreiteten Behandlungsstandards (Standards of Care), die zur angeblichen Sicherung der Diagnose den Behandlungszeitraum unnötig in die Länge ziehen und damit eine Leidensverlängerung bewirken.

Ich persönlich habe unter dem Strich gute Erfahrungen gemacht, aber da mögen auch die Zentren unterschiedlich gut sein. In Zürich hatte ich den Eindruck, dass man von der bisher herrschenden Psychopathologisierung zurück getreten ist und transsexuelle Frauen wirklich als Frau ernst nimmt. Das ist eine gute Entwicklung in die richtige Richtung.

Es ist zu empfehlen, dass man sich dort dem richtigen Geschlecht entsprechend vorstellt, also idealerweise bald nach dem Outing. Es sollte zwar keine Rolle spielen, aber es menschelt halt überall und so kann man nicht ausschliessen, dass ein Gutachter bei falscher Bekleidung einen bleibenden Eindruck behält. Das Auftreten wirkt einfach entschiedener und überzeugender, wenn man mit abgeschlossenem Outing und adäquater Kleidung auftritt und damit zeigt, dass man bereits mitten im Leben steht und das lebt, was man hier vorbringt. Man sollte jedoch so rasch wie möglich da antraben, weil die Fristenlösung in der Regel ab der Anmeldung gilt.

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