Das soziale Umfeld erweitern

Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt,
und sie Dir vorsingt, wenn Du sie vergessen hast.

Neben einem gesunden Selbstbild ist wohl nichts so massgebend für den Erfolg dieses Prozesses wie das soziale Umfeld. Wer da gestützt und unterstützt wird, hat gute Karten. Wer keine verlässlichen Sozialpartner hat, wird viel mehr zu beissen haben an diesem enorm schweren Prozess. Das bedeutet nicht nur, dass man bestehende Freundschaften pflegen muss und gerade ihnen gegenüber mit schonungsloser Offenheit begegnet, es bedeutet auch, dass man neue Freundschaften braucht.

Eine Frau braucht gute Freundinnen
Es dürfte oft so sein, dass transsexuelle Frauen vorallem “Kumpels” als Freunde haben, sie lebten schliesslich bis anhin ein scheinbar männliches Leben. Aber jede Frau braucht Freundinnen, gute Freundinnen, die ihr emotional beistehen in Frauenfragen, die ihr aber auch beispielsweise in Stilfragen unter die Arme greifen. Gerade für transsexuelle Frauen ist es elementar, dass sie solche guten Freundinnen haben, weil man in der Anfangszeit mit vielem überfordert sind. Welcher Kleidungsstil passt, wie schminke ich mich und vieles mehr. Wer da eine gute und ehrliche Freundin hat, wird einiges schneller ein sicheres Auftreten haben.

Frauengespräche fördern das Selbstbewusstsein
Aber nicht nur so praktische Gründe sprechen dafür, es geht auch um die Selbstwahrnehmung. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass nichts so bestärkend ist wie wenn ich in einer Frauenrunde einen gemütlichen Abend verbringe oder mit einer Frau ein “Weibergespräch” führe. Frauen reden unter einander anders als Männer oder gemischte Gruppen. So ein Frauengespräch bestärkt einem enorm in dem Gefühl, wirklich Frau zu sein und als Frau angenommen zu sein.

Neue Freundschaften ohne Altlasten
Ein weiterer Punkt der nicht zu unterschätzen ist hat damit zu tun, dass diejenigen, die uns von früher her kennen, diesen “Kerl” von früher nie ganz aus dem Kopf kriegen, wie sollten sie auch, diese Bilder der Vergangenheit sind im Hirn gespeichert und dringen immer mal wieder durch. Ich machte die Erfahrung, dass Menschen, die nur Diana kennen, viel einfacher mit meiner Andersartigkeit umgehen können. Sie wissen zwar um meine Transsexualität, aber sie kennen nur Diana und nehmen mich ganz anders wahr als diejenigen, die “einen Mann kannten der Frau wurde”. Das soll nicht heissen, dass man sich von alten Freunden trennen soll, keinesfalls, diese sind unglaublich wertvoll. Aber es ist eine stärkende Bereicherung, wenn man auch neue Bekanntschaften hat und mit denen erleben darf, wie unspektakulär man wahrgenommen wird. Ich hatte das Glück, ein neues Stamm-Pub zu finden, in dem man mich vorher nicht kannte. Dort bin ich nun allen bekannt, für alle bin ich einfach Diana, eine transsexuelle Frau, aber vorallem eine Frau. Mich haben die Leute dort enorm gestärkt auf meinem Weg, das kann ich nur dringendst empfehlen.

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