Eine Wegleitung für transsexuelle Menschen

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Nichts ist unmöglich,
denen, die das Unmögliche wagen!

(Diana)

Dieses Blog dient vorallem denjenigen, die vor oder inmitten des Prozesses einer “Geschlechtsangleichung” stehen. Es soll Betroffenen helfen bei Entscheidungen und einen möglichen Weg aufzeigen.

Mein Name ist Diana und das hier sind meine Erfahrungen, die ich mit Euch teilen möchte. Während meines Weges durch die Geschlechtsangleichung habe ich ein Blog-Tagebuch geführt, in dem ich über alles Geschehene und alle Gefühlslagen berichtet habe.

Während der geschlechtsangleichenden Operation resp. der ersten Zeit danach führte ich ein zusätzliches GaOp-Tagebuch. Ausserdem sind von mir noch zwei Blogs im Aufbau, einerseits ein Blog das Informationen über Transsexualität aus den News aufgreift und anderseits ein Blog in dem man Fragen zum Thema Transsexualität stellen kann. Und dann gibt es noch ein gemeinsames Blog von meiner Verlobten Juliet und mir namens Duo-Infernale, in dem wir aus unserer doch etwas ungewöhnlichen Beziehung erzählen. Ihr seid herzlich eingeladen, auch in diesen Blogs reinzuschnuppern.

Die nachfolgenden Texte sind teils neu geschrieben und teils Kopien oder Überarbeitungen von bereits geschriebenen Texten in meinen anderen Blogs. Die meisten Beiträge sind erst Entwürfe und werden mit der Zeit verfeinert. Fürs erste – so hoffe ich – sollten sie aber doch hilfreich sein für diejenigen, die diesen Prozess gerade beginnen oder bereits durchlaufen.

Im weiteren Verlauf werde ich die LeserInnen direkt ansprechen, also Dich. Ausserdem verwende ich die weibliche Form (für sogenannte Mann-zu-Frau Transsexuelle), selbstverständlich sind aber auch die transsexuellen Männer angesprochen.

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Was ist Transsexualität

Transsexualität ist eine partielle Abweichung des Körpers
vom eigenen angeborenen Geschlecht.

(Kim – ATME)

Zuerst gilt es zu klären, was Transsexualität ist resp. was es nicht ist. Beginnen wir beim Zweiten: Transsexualität ist keine psychische Störung oder Perversion und hat nichts mit Homosexualität zu tun.

Transsexualismus ist gekennzeichnet durch die dauerhafte Gewissheit, sich dem biologisch anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Dazu gehören die Ablehnung der mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Rollenerwartungen und der drängende Wunsch, sozial und juristisch anerkannt im gewünschten Geschlecht zu leben.

(Dr. Pichlo, MDK Nordrhein)

Transsexualität ist eine Entwicklungs-Abweichung zwischen Hirn und Restkörper, die ihren Ursprung im embryonalen Zustand hat. Man wird also nicht transsexuell, man kommt so zur Welt – zumindest in der Regel ist das so.

Transsexualität bedeutet, dass jemand beispielsweise eine anatomisch weibliche Hirnstruktur hat, aber der gesamte Restkörper hat sich männlich entwickelt. Betroffene empfinden das als “im falschen Körper” geboren, was eigentlich nicht ganz korrekt ist, weil das Hirn ja auch ein Teil des Körpers ist, sogar das Zentralste. Diese im Hirn festgesetzte Geschlechtsidentität ist durch nichts veränderbar, das haben unzählige menschenrechtswidrige Experimente zu Genüge bewiesen.

Demzufolge kann Betroffenen nur geholfen werden, in dem man das Äussere soweit wie möglich dem Inneren anpasst – oder um es korrekter zu beschreiben: den sichtbaren Körper dem eigentlichen Ich, dem Hirn, angleicht – und ihnen damit ein menschenwürdiges Leben in ihrem wirklichen Geschlecht ermöglicht.

Mehr zu dieser Frage findest Du in diesen Beiträgen in meinem Blog-Tagebuch:
Was bedeutet Transsexualität / Transidentität
Gretchenfrage: transsexuell oder transident?
Transsexualität: Psychologische Sichtweise ohne Scheuklappen
Transsexualität nach ICD – Der Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören?

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Transsexualität hat biologische Ursachen

Tatsächlich ist auch heute (noch) diese Diagnose unter den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (das heisst Störung der Geschlechtsidentität) aufgeführt. Dies, obwohl die Forschung der letzten Jahre eindeutig darauf hinweist, dass sich die sexuelle Identität bereits vor der Geburt, also noch im Mutterleib ausbildet, möglicherweise gesteuert durch äussere hormonelle Einflüsse, welche direkt auf das Gehirn des Embryos einwirken………… Es wäre für die Betroffenen von Vorteil, wenn man von einer hormonellen Störung mit somatischer Auswirkung sprechen würde………. Das Problem eines transsexuellen Mannes liegt demnach bei der Ausbildung falscher somatischer Geschlechtsmerkmale und nicht bei der psychischen Identifizierung als Mann.

(Bettina Flütsch, Zug, Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH)

Entgegen aller Vorurteile und einem Jahrhundert Psychopathologisierung weiss man seit über einem Jahrzehnt, dass Transsexualität keine psychische Störung ist sondern eher als “biologische Entwicklungsstörung” betrachtet werden muss. In den heute gültigen Diagnoserichtlinien wird Transsexualität nachwievor in ICD unter F64 als “Transsexualismus” und im DSM unter 302.85 als “Geschlechtsidentitätsstörung” beschrieben, aber schon im DSM-V der 2011 in Kraft tritt, wird von “Geschlechtsinkongruenz” gesprochen, also eine Diskrepanz zwischen Hirngeschlecht und genitalem Geschlecht.

Gerade für Dich als Betroffene ist es essentiell, dass Du Dir im Klaren bist, dass Du nicht psychisch gestört bist sondern einfach eine Laune der Natur, Dr. Udo Rauchfleisch spricht beispielsweise von “Normvarianten”. Dein Körper hat sich sozusagen in zwei Richtungen entwickelt und Du musst versuchen, mit dieser Spannung zu leben oder sie so weit wie möglich aufzulösen. Gerade die Erkenntnis, dass transsexuelle Frauen eine anatomisch weibliche Hirnstruktur haben, widerspricht der gängigen Stigmatisierung. Die Tatsache, dass ein aufgeschnittenes Gehirn einer transsexuellen Frau von jedem Neurologen klar als weiblich klassifiziert würde, half auch mir, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen.

It has always been assumed that the sexual differentiation was completed with the formation of the external genitalia. But it is NOT. Since the beginning of this century we have known that the brain, too, undergoes a sexual differentiation… It is likely from the available evidence that in transsexuals the pattern of sexual differentiation of the brain has not followed the pattern typical of that sex: in other words, the nature of the chromosomes, the gonadal and genital development are in contradiction with the brain sex.

(Professor Louis Gooren, endocrinologist, Chair of the Faculty of Transsexualism of the Free University of Amsterdam)

Dutzende von Studien aus der Neurologie, Endokrinologie, Genetik und Verhaltensforschung, die sich gegenseitig bestätigen und bestärken, zeigen klar, dass Transsexualität eine vermutlich endokrinologische Entwicklungsstörung ist, derzufolge sich die embryonale Entwicklung in zwei Richtungen bewegt, ein weibliches Gehirn und ein männlicher Restkörper. In Anbetracht der Faktendichte dürfte heutzutage nicht mehr darüber diskutiert werden, ob Transsexualität biologische Ursachen hat. Die Frage ist höchstens noch, welcher Aspekt sich gegengeschlechtlich entwickelt hat. Der Logik folgend, dass unser Ich oder unser Selbst im Hirn verankert ist, darf nur dieses Organ massgebend sein bei der Frage nach dem richtigen Geschlecht.

Auch wenn wir heutzutage nachwievor eine Gestörterklärung nach ICD und DSM benötigen um gegenüber den Krankenkassen Forderungen stellen zu können, so müssen wir uns doch stets bewusst sein, dass diese Sichtweise veraltet und widerlegt ist. Du bist nicht gestört, Du bist nur anders, in einer Weise, die möglicherweise medizinischer Hilfe bedarf. Vergiss das nie!

Transsexuals, who I believe are intersexed, have the body and genitals of one sex and the brain of the other making reconciliation of their sexual and gender identities problematic. They solve their problems of reconciling, their disparate sexual identity and gender identity, by saying, in essence, “Don’t change my mind; change my body.”

(Professor Milton Diamond, Director of the John A Burns School of Medicine, University of Hawaii)

Dieser Beitrag wird noch ergänzt. Mehr zu diesem Thema findest Du in meinem Blog-Tagebuch:
Ist Transsexualität eine Krankheit?
Transsexualität – eine psychische oder Störung?

Mehr zum Thema “Biologische Ursachen von Transsexualität”:
Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)
Mut23: Das Gehirn bestimmt das Geschlecht
Wikipedia – Causes of transsexualism – Biological-based theories

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Eine Frau sein oder sein wollen?

Transsexualität selbst ist keine Krankheit, sondern lediglich ein wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, dass vielerlei Ursachen haben kann. Niemand entscheidet sich aus einer Laune heraus zu diesem als “Geschlechtswechsel” wahrgenommenen Schritt. Man ist transsexuell oder man ist es nicht. Die Betroffenen leiden nicht unter einem Zwang die Kleider des somatisch anderen Geschlechts tragen zu müssen und ganz und gar so leben zu wollen, sondern sie empfinden vielmehr die Tatsache im falschen Körper gefangen zu sein und in einer als fremd empfundenen, nur dem Körper entsprechenden, gesellschaftlich geforderten Rolle leben zu müssen, als Zwang. Auch wenn Transsexualität keine Krankheit ist, so kommt doch dem extremen Leidensdruck durch die innere Zerrissenheit im falschen Körper zu stecken, ein sehr deutlicher Krankheitswert zu.

(Johanna Martina Dorsch, Sozialtherapeutin)

Die Mutter aller Fragen scheint mir die, ob man sich als Frau wahrnimmt oder eine Frau sein will. Wenn ein Mann lieber eine Frau sein möchte, aus welchen Gründen auch immer, ist höchst zweifelhaft, dass er so eine “Geschlechtsumwandlung” heil überstehen kann. Wenn aber eine Frau einen männlichen Restkörper hat, wird sie daran zugrunde gehen, wenn sie diesen Zustand beibehält.

Diese Unterscheidung ist enorm wichtig und das musst Du Dich selber fragen. Bist Du eine Frau oder willst Du eine sein? Wenn es eine Frage des Wollens ist, dann lass es, der Preis ist viel zu hoch und Du wirst diese “neue Maske” nie wieder ausziehen können. Wenn Du Dich aber als Frau wahrnimmst, die “im falschen Körper” steckt, dann komm dort raus und beginne Dein wirkliches Leben, da führt meines Erachtens kein Weg vorbei.

Schon oft hörte ich jemanden sagen: “Ich wollte schon immer lieber eine Frau sein”. Vielleicht ist das nur unglücklich formuliert, aber bei mir klingen Alarmglocken wenn ich das höre. Ich wär schon immer lieber ein Vogel gewesen – mein ich ernst – aber ich bin kein Vogel und kann kein Vogel sein, selbst wenn ich mir Federn implantieren lasse. Jeder Versuch, etwas zu sein was man nicht ist, ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Der Weg einer “Geschlechtsangleichung” macht nur Sinn, wenn man das äussere Geschlecht dem Ich angleicht, wenn man also eine Frau ist und nicht eine sein will. Sonst gibt es nichts anzugleichen.

Diese Frage musst Du Dir ganz genau überlegen. Willst Du etwas anderes sein als Du bist, dann geh diesen Weg nicht, Du würdest kaputt gehen dabei. Willst Du aber sein, was Du schon immer warst aber nie leben konntest, dann kann eine Geschlechtsangleichung erfolgreich sein. Aber nicht, wenn Du Dich einem Wunsch oder Traum angleichst, Du würdest Dich nur in Träumen verlieren. Sinn macht es nur, wenn Du Dich deinem Selbst angleichst.

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Die Entscheidung – Preis der Geschlechtsangleichung

Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen,
was von selber aus mir heraus wollte.
Warum war das so schwer?

(Hermann Hesse, Demian)

Wie bei allem im Leben muss man bei jeder grossen Entscheidung Chancen und Risiken abwägen, man muss sich im Klaren sein, ob man den Preis dafür zu zahlen bereit ist. Der Prozess einer Geschlechtsangleichung ist ein one-way Ticket, da gibt es kein zurück mehr. Und der Preis kann möglicherweise unschätzbar hoch sein.

Dieser Weg wird Dir enorm viel abfordern, Du musst Dich gesellschaftlicher Stigmatisierung als “gestörter Mann im Rock” stellen, musst Diskriminierungen über Dich ergehen lassen, vielleicht verlierst Du Freunde, wirst von Verwandten ausgestossen, verlierst Deine Stelle oder findest kaum eine Neue, vielleicht wird Dich die geschlechtsangleichende Operation verkrüppeln oder die medizinischen Massnahmen Dich töten.

Nichts von all dem muss geschehen, aber Du musst alles für möglich halten und Dir die Frage stellen, ob Du selbst bei einem Worst-Case Szenario den Preis zu bezahlen bereit wärst. Bist Du bereit, möglicherweise alles zu verlieren, bis hin zu Deinem Leben?

Wenn Du beispielsweise Deine Familie verlierst oder Freunde Dich nicht mehr respektieren, dann lässt sich das nicht mehr umkehren. Ist es das wert? Ist das Leben in Deinem richtigen Geschlecht so wichtig und unumgänglich, dass Du alles andere zu opfern bereit wärst?

Wenn nicht, dann lass es oder denk weiter darüber nach, bis Du Dir im Klaren darüber bist. Wenn es Dir aber wirklich all das wert ist, dann ist die Zeit gekommen, alles auf eine Karte zu setzen.

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Vorbereitungen für den sozialen Rollenwechsel

Nach meiner persönlichen Erfahrung empfehle ich, den sozialen Rollenwechsel mit einem Schlag durchzuziehen. Natürlich kann man diesen Wechsel auch schleichend machen, aber ich befürchte, dass das Umfeld viel verwirrter reagiert auf schleichende Veränderungen. Mehr dazu im nachfolgenden Beitrag über das Outing. Davon ausgehend, dass man den Wechsel am Stück durchzieht, empfiehlt sich eine genaue Planung, dazu habe ich mir eine Agenda erstellt, mit der ich vor dem Outing eine Reihe von Dingen organisiert habe.

Einige Wochen vor dem Rollenwechsel

  • Mach die Outings im nächsten Kreis und viele Gespräche mit den Betroffenen
  • Buche Termine beim Coiffeur, Laserepilation, evtl Kosmetik-Beratung
  • Kauf oder bestell Kleider, Schuhe und Schmuck für die erste Zeit, diese darf ruhig etwas androgyn sein, es fällt dem Umfeld leichter reinzuwachsen, wenn man nicht grad wie eine Drag-Queen beginnt
  • Kauf etwas Schminkzeug zum ausprobieren, lass Dich dabei beraten
  • Mach Schminkexperimente, idealerweise auch mit einer guten Freundin zusammen

Ein bis zwei Wochen vor dem Rollenwechsel

  • Reservier eine Bart-Laserepilation an einem Freitag, damit das Gesicht übers Wochenende verheilen kann
  • Mach die Outings im Freundeskreis

Vortag vor dem Rollenwechsel

  • Mach das grosse Outing im Geschäft
  • Geh zum Coiffeur am Abend, ein kleiner Akzentwechsel in der Frisur wird den Wechsel betonen

Ich halte es für empfehlenswert, wenn man zu Beginn nicht zu dick aufträgt. Einerseits muss das Umfeld mit reinwachsen und das fällt schwer, wenn man von heute auf morgen die Supermieze raushängt und anderseits verursacht es einen enormen psychischen Druck, wann man an sich selbst den Anspruch stellt, von Anfang an perfekt zu sein. Beginne Dein neues Leben im Bewusstsein, dass Du fürs Erste Scheisse aussiehst, akzeptier das. Alle in Deinem Umfeld wissen von Deiner Veränderung und sind nicht mehr irritiert, wenn Du zu Beginn etwas androgyn aussiehst. Du musst keine Frau kopieren, Du bist eine Frau, aber eine die fürs Erste halt noch nicht so aussieht.

Dann folgt die Zeit danach und auch da gibt’s ein paar Dinge die gemacht werden müssen………

  • Such Dir ein Kompetenzzentrum oder sonst eine Anlaufstelle, in der Du Dich in den nächsten Jahren medizinisch begleiten lässt. In der Schweiz ist es z.B. so, dass die Dauer des Alltagstest erst ab Anmeldedatum angerechnet wird, man sollte also so früh wie möglich damit beginnen. Trotzdem würde ich das erst nach dem Outing machen, weil man in der Regel nicht wirklich ernst genommen wird, wenn man in der alten Geschlechterrolle dort auftaucht. Für die Leute dort ist es Ausdruck von Ernsthaftigkeit, wenn man sichtbar weiblich daher kommt, das mag falsch sein, ist aber möglicherweise so, also halten wir uns am besten daran.
  • Plane Folgetermine für die Bart-Laserepilation (halbjährlich)
  • Vertief Deine Kleidungs- und Schminkexperimente, frag idealerweise Freundinnen um Rat.
Dieser Beitrag wird noch ergänzt, die einzelnen Auflistungen sind noch unvollständig.
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Das Outing als transsexuelle Frau

Das Outing dürfte einer der schwierigsten Aspekte sein, wenn man die von aussen wahrgenommene soziale Geschlechterrolle dem Inneren anpasst. Die schlechte Nachricht ist, es ist eine harte Knochenarbeit. Die gute Nachricht ist, man ist in der Regel im Nachhinein erstaunt, wie leicht es doch war.

Alles oder nichts?
Als erstes stellt sich die Frage der Strategie, dabei gibt es zwei Wege. Entweder Du outest Dich immer mal wieder in möglichst lang von einander liegenden Abständen beim Einen oder Anderen und ziehst diesen Prozess so bis zum jüngsten Tag hin, oder Du ziehst alles an einem Band durch. Meine Wortwahl zeigt bereits, was ich empfehle. Die Angst vor dem Outing ist riesengross, man befürchtet, dass man die ganze Welt verliert, niemand einem versteht und alle einem den Rücken kehren. Vielleicht ist dem so, vermutlich eher nicht. Aber diese Angst verführt einem dazu, das Outing stückweise zu vollziehen und damit quält man sich durch eine endlose Zeit und verlängert den Zustand der Angst und Unsicherheit immens. Ich selbst habe die Augen-zu-und-durch Variante gewählt und bin damit sehr gut gefahren.

Kettenreaktionen führen zum Super-GAU
Man neigt dazu, sich dazu verleiten zu lassen, dass man es möglichst wenigen Leuten sagt und sich darauf verlässt, dass die Anderen es dann indirekt erfahren. So erspart man sich das direkte Outing, umgeht die Angst, aber was kommt dabei heraus? Man kennt das mit Gerüchten. Sage ich einer Person etwas und diese erzählt es weiter, wird nicht dasselbe ankommen. Nach der fünften Weitergabe bleibt nur noch wenig von der ursprünglichen Mitteilung übrig. Das ist der ideale Nährboden für Gerüchte und Fehlinterpretationen. Eine Kettenreaktion führt zu einer unkontrollierbaren Explosion.

Direkte Offenheit entwaffnet
Menschen sind überraschend lernfähig und noch überraschender tolerant. Wenn Du Dich vor jemanden hinstellst, ihm in die Augen schaust und ihm objektiv etwas erklärst, direkt und ohne Scheu, dann wird das auch entsprechend ankommen. Missverständnisse beruhen auf Unwissen, die einzige Waffe dagegen ist Offenheit. Je weniger Du sagst, umso mehr muss interpretiert werden und umso mehr wird missverstanden. Offenheit braucht Überwindung, aber sie lohnt sich.

Augen zu und durch
Die Zeit vor dem Outing ist der pure Horror, man ersäuft in Angst, stellt sich die schlimmsten Worst-Case Szenarien vor und macht sich völlig verrückt. Und das wird solange dauern, bis man alle, wirklich alle Outings durch hat. Deshalb gibt es nach meiner Erfahrung nur einen Weg, zieh das so rasch wie möglich durch, von A bis Z. An dem Tag, an dem Du das letzte Outing hinter Dir hast, wirst Du erleichtert und frei sein, wie nie zuvor in Deinem Leben. Es gibt keine Angst mehr, keine Ungewissheit, Du bist jetzt wirklich frei Dich selbst zu sein. Vielleicht verlierst Du unterwegs einige Leute, aber diejenigen die einem deswegen den Rücken kehren, waren es nicht wert, weil gute Freunde einem nehmen wie man ist und nicht wie sie einem gern hätten. Ich habe diesen Weg gewählt, habe innert wenigen Tagen alle darüber informiert, wer ich bin, wer ich sein werde und was mich dazu treibt, mein Leben derart auf den Kopf zu stellen. Nach wenigen Tagen war der Spuk vorbei, es kostete unglaublich viel Kraft und ich musste die schlimmsten Ängste überwinden, aber lieber ein paar Tage die Hölle durchqueren als ein Leben lang garen.

Lösch das Feuer im Zentrum
Jeder Feuerwehrmann weiss, wenn Du am Rand des Feuers löschst, kannst Du bis zum jüngsten Tag löschen. Beginne im Zentrum, denn wenn das Zentrum mal gelöscht wird, verliert auch der Rest seine Kraft. So ist es auch mit den Outings. Man neigt dazu, lieber zuerst die einfachen Outings zu machen, sozusagen zum Üben. Aber so wird man während all der Zeit ständig von Furcht begleitet, weil es immer noch schlimmer wird. Ich habe den umgekehrten Weg gemacht und habe mit den Outings begonnen, vor denen ich mich am meisten gefürchtet habe. Schon wenn Du das erste und schwerste Outing hinter Dir hast, wird von da an alles nur noch einfacher, Du hast das Schlimmste hinter Dir. Man kann allenfalls zuerst die besten Freunde einweihen, von denen man annimmt, dass sie gut damit umgehen werden, sozusagen als Übung und um Mut zu bekommen. Aber man sollte keinesfalls die beängstigsten Outings bis zum Schluss aufsparen, das wäre total zermürbend und man wäre ständig von Angst begleitet.

Was muss gesagt werden
Es gibt verschiedene Gruppen von Menschen, denen man das Ganze unterschiedlich erklären muss. Einerseits ist es das persönliche Umfeld (Familie u.s.w.) der man sehr vertieft und nachfühlbar erklären muss, wie gross der Leidensdruck ist, der einem zu diesem Schritt zwingt. Dann gibt es das weitere Umfeld (Firma, Freundeskreis), denen man einfach die Fakten erklären muss.

Der engste Kreis
Der schwierigste Teil sind die engsten Freunde, die Familie und alle die einem wirklich lieben. Da reicht es nicht, sie einfach mit Tatsachen zu konfrontieren. Sie verlieren ihren Mann, Vater oder was auch immer. Ihnen muss man erklären, wie gross der Leidensdruck ein Leben lang war, wie wichtig es für einem ist, dass dies der einzige Weg ist um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Wer einem liebt, der will, dass es einem auch gut geht. Das ist der Angelpunkt an dem man sich erklären muss. Wenn jemand Dich wirklich liebt und begreift, wie schlimm Dein Leben bisher war und wie glücklich Du sein könntest, dann kann diese Person nicht anders als Dich zu nehmen wie Du bist. Hier braucht es viele Gespräche und vorallem kompromisslose Offenheit.

Der weitere Kreis
Menschen im weiteren Freundeskreis wie Firma u.s.w. kommen nach meiner Erfahrung recht gut damit klar. Bei ihnen reicht es in der Regel, mit wenigen Worten zu erklären, dass man ein Leben lang gelitten hat und dass man sich nun das Recht nimmt, diesem Leiden ein Ende zu setzen. Menschen sind heutzutage sehr tolerant und die meisten gehen nach dem Motto: solange Du ein netter Mensch bist, kannst Du Mann, Frau oder Erdferkel sein, das ist mir egal. Bei meinen Outings im Geschäft habe ich mit allen gesprochen, aber meist nur wenige Minuten. Das reichte, damit sie akzeptieren konnten, dass ich halt fortan irgendwie anders in Erscheinung treten werde und in den Rest wachsen sie rein, früher oder später.

Halt den Kopf hoch
Wichtig bei allen Outings ist die richtige innere Einstellung. Du hast nichts zu beichten, es gibt nichts weswegen Du Dich schämen müsstest. Du hast ein Problem und das muss gelöst werden und Du weisst die Lösung und wirst diese auch vollziehen. Du legst kein Geständnis ab, Du informierst. Es ist Dein Leben und nur Du hast das Recht über Dich zu entscheiden. Du veränderst Dich, aufgrund des Rechts auf Selbstentfaltung, das jedem Lebewesen zusteht. Du bist nicht schlechter als Andere, Du bist nur ein wenig anders und diese Andersartigkeit ist kein Makel sondern einfach Deine ganz eigene Wesensart, die so gut oder schlecht ist wie jede Andere auch. Du gehörst zu den wenigen Menschen, die den Mut haben, für sich selbst einzustehen und sich selbst treu zu sein, dafür muss man sich nicht schämen, das zeichnet einem aus.

Das Positive überwiegt
Beim Outing riskiert man einiges, verliert vielleicht Menschen die einem lieb sind, aber die sind es wie bereits gesagt nicht wert. Wenn jemand Dich ablehnt, nur weil Du Dich selbst retten willst, dann verlierst Du nichts, einfach gar nichts an diesem Menschen. Nach meiner Erfahrung können die meisten Menschen überraschend gut damit umgehen. Sie sind irritiert, brauchen eine gewisse Zeit um mit dieser Veränderung klar zu kommen, aber schlussendlich mögen sie den Menschen der Du bist, ob Du nun Hosen oder Rock anhast.

Dieser Beitrag ist eine Kopie eines Textes aus meinem Fragen-Blog:
Outing – wie sag ich’s wem?
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Medizinische Hilfe: Kompetenzzentrum?

Dieser medizinisch doch hoch komplexe Weg sollte mit Fachleuten zusammen gemacht werden. Wer genug Geld hat und auf eine Kostengutsprache der Krankenkasse verzichten kann, kann natürlich auch im Alleingang alles durchlaufen. Aber ich persönlich halte eine psychologische Begleitung für sinnvoll und die Meisten dürften eh nicht in der Lage sein, alles selber zu finanzieren.

Damit stellt sich die Frage, von wem man sich begleiten lässt, von einem der sogenannten Kompetenzzentren oder von einem privaten Arzt. Ich persönlich habe ein Kompetenzzentrum gewählt, das Zürcher Universitätsspital. Und auch wenn ich in einigen Dingen nicht deren Meinung war und es auch genug zu meckern gab, würde ich trotzdem diesen Weg empfehlen. Warum, habe ich hier beschrieben:
Und trotzdem empfehle ich das UniSpital
Einerseits bietet so ein Kompetenzzentrum ein grosses Netzwerk an Fachleuten, anderseits haben Gutachten von dort ein hohes Gewicht und damit ist auch Ärger mit der Krankenkasse faktisch ausgeschlossen.

Kritiker von Kompetenzzentren bemängeln teilweise zu Recht, dass Psychiater oft vorallem als Gutachter und nicht als Unterstützer fungieren. Daraus resultiert ein Misstrauensverhältnis, das auch schädlich sein kann. Ebenfalls fragwürdig sind die im deutschsprachigen Raum verbreiteten Behandlungsstandards (Standards of Care), die zur angeblichen Sicherung der Diagnose den Behandlungszeitraum unnötig in die Länge ziehen und damit eine Leidensverlängerung bewirken.

Ich persönlich habe unter dem Strich gute Erfahrungen gemacht, aber da mögen auch die Zentren unterschiedlich gut sein. In Zürich hatte ich den Eindruck, dass man von der bisher herrschenden Psychopathologisierung zurück getreten ist und transsexuelle Frauen wirklich als Frau ernst nimmt. Das ist eine gute Entwicklung in die richtige Richtung.

Es ist zu empfehlen, dass man sich dort dem richtigen Geschlecht entsprechend vorstellt, also idealerweise bald nach dem Outing. Es sollte zwar keine Rolle spielen, aber es menschelt halt überall und so kann man nicht ausschliessen, dass ein Gutachter bei falscher Bekleidung einen bleibenden Eindruck behält. Das Auftreten wirkt einfach entschiedener und überzeugender, wenn man mit abgeschlossenem Outing und adäquater Kleidung auftritt und damit zeigt, dass man bereits mitten im Leben steht und das lebt, was man hier vorbringt. Man sollte jedoch so rasch wie möglich da antraben, weil die Fristenlösung in der Regel ab der Anmeldung gilt.

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Selbstachtung beginnt bei Dir

Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben

(Erich Fried)

Wer zeichnet mein Selbstbild?
Nur allzu schnell möchte man diese Frage mit “ja ich natürlich” beantworten – das dürfte eine der grössten Illusionen des modernen Menschen sein.

Das erste, was ein Kleinkind lernt, ist sich ausserhalb seinerselbst zu orientieren. Es tut etwas, guckt wie das Umfeld darauf reagiert und misst daran, ob etwas gut oder schlecht, richtig oder falsch, hilfreich oder schädlich ist. Die Welt um uns herum zeichnet unser Selbstbild und daran angelehnt entwickeln und entfalten wir uns, soweit dieses von Aussen kommende Selbstbild dies überhaupt zulässt. Dieses Funktionsprinzip behalten wir ein Leben lang, was auch immer wir tun, wird an der Reaktion unseres Umfelds gemessen und bewertet. Und so spielt jeder seine Rolle im Schauspiel seines Lebens. Transsexuellen wird dieses Funktionsprinzip jedoch in doppelter Weise zum Verhängnis.

Wenn ein transsexuelles Mädchen wie ich ihr Verhalten und Handeln an den Reaktionen ihres Umfelds misst, bekommt es eine vernichtende Kritik für alles, was aus ihrem Inneren kommt. Du benimmst Dich wie ein Mädchen, Du bewegst Dich wie ein Mädchen, Du weinst wie ein Mädchen, Du spielst wie ein Mädchen……. jeder Versuch der Entfaltung eines inneren Selbst wird so im Keim erstickt…. es ist nicht gut, ich zu sein. Und so zimmert sich dieses Mädchen einen Menschen, der der Vorstellung ihres Umfelds entspricht.

Wenn dieses Mädchen dann eine Frau ist und dabei das Leben eines von aussen definierten Mannes lebt, kommt irgendwann fast zwangsläufig der Tag, an dem dieses Zerrbild ihrerselbst nicht mehr aufrecht gehalten werden kann. Diese Frau legt diese männliche Karikatur in Schutt und Asche und beginnt, ihr Selbst von innen her neu aufzubauen resp entfalten zu lassen. Spätestens jetzt ist dieses Funktionsprinzip tödlich. Wenn diese Dame ihr Selbstbild weiterhin von aussen werten lässt, wird sie im Spiegel der Gesellschaft einen durchgeknallten Mann in Frauenkleidern sehen. Die Umwelt ist spätestens jetzt kein brauchbarer Spiegel mehr.

Aber was nun? Ein Leben lang war man darauf konditioniert, sein Selbst von aussen definieren zu lassen. Diese Fremdbeurteilung ist weggefallen, aber was bleibt dann? In welchem Spiegel soll sie sich jetzt noch spiegeln um zu erkennen, ob sie ok ist so wie sie ist? Da ist kein Richter mehr, keine Jury, sie muss sich nun selbst beurteilen. Dieses Mädel wird es nicht einfach haben, sich zu finden und sich neu zu erfinden, da sind keine Grenzen und Absperrungen mehr die hindern, da ist keine Orientierung ausserhalb ihrerselbst. Das ist eine grosse Herausforderung und es ist gleichzeitig die grösste Freiheit die man sich denken kann. Selbstentfaltung ohne Fremdbestimmung.

Transsexualität und Selbstsicherheit
Transsexuelle stehen vor einer riesigen Herausforderung, wenn sie in einer Gesellschaft, die Transsexualität stigmatisiert, Selbstsicherheit entwickeln wollen. Es braucht ganz neue Denkstrategien um trotz allen Vorurteilen eine stolze Frau zu sein. Wenn ich zurück denke und mein Selbstbewusstsein von Anfang dieses Prozesses mit dem von heute vergleiche, dann staune ich Bauklötze, wieviel sich da verändert hat. Ich wünschte mir, ich könnte anderen transsexuellen Menschen mit Worten erklären, wie ich diese Veränderung ausgelöst habe, aber das dürfte mir kaum gelingen – versuchen will ich es trotzdem.

Im ersten Abschnitt habe ich betont, dass Menschen so konditioniert sind, dass sie ihren Wert daran messen, ob sie von ihrem Umfeld gutgeheissen werden oder nicht. Transsexuelle sind da in der Regel auch nicht anders, aber sie müssen anders werden, weil sie sich sonst mit einer abwertenden Zerrbrille bemessen, die Ihr Selbstbewusstsein in Schutt und Asche legt. Aber wie kann ich mich ok finden und stolz auf mich sein, wenn mich Leute angucken, als ob ich eine singende Kröte auf dem Kopf hätte? Wie kann ich Achtung vor mir selbst haben, wenn mir immer wieder Menschen begegnen, die mich belächeln oder gar verachten?

Fremdbewertung vermeiden
Der wichtigste und schwerste Teil ist der, zu erkennen, dass der Wert von etwas nie durch einen Beobachter gemessen wird. Wenn etwas wertvoll ist, spielt es keine Rolle, ob jemand es nicht für wertvoll hält, der Wert liegt in etwas oder nicht. Wenn ich einen Diamanten mit Dreck verschmiere, werden ihn die meisten für einen dreckigen Stein halten, hat er wirklich an Wert verloren? Dasselbe ist mit uns. Ich bin nicht eine Frau, weil die ganze Welt mir dies attestiert, ich bin eine Frau, weil ich weiblich bin. Und ich bin auch nicht weniger weiblich, wenn man mir meine Weiblichkeit mit Blicken abspricht. Wenn ich heute so eine negative Wertung zu bemerken glaube, betrifft mich das nicht wirklich. Ich nehme zur Kenntnis, dass da jemand ein falsches und verzerrtes Bild von mir hat, aber das ändert meine Persönlichkeit und mein Geschlecht nicht. In der Regel kenne ich diese Person ja nicht mal, was interessiert es mich, ob diese Person mir Weiblichkeit attestiert?

Ich bin eine transsexuelle Frau – na und?
Der grösste Fehler, den wohl die meisten Transfrauen vorallem am Anfang machen, ist der Versuch eines hundertprozentigen Passings. Das ganze Denken wird vernebelt vom Gedanken: “Hoffentlich sieht niemand was ich bin, hoffentlich werde ich als Frau wahrgenommen”. Gerade am Anfang ist der Versuch, als “biologisch korrekte Frau” durchzugehen, zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Resultat ist, dass man von einem “Mist, sie haben’s gemerkt” zum Nächsten geschleudert wird. Aber ich bin keine “biologisch korrekte geborene” Frau und da kann ich auch nix dafür, warum sollte ich mich also dafür schämen? Ich bin eine transsexuelle Frau, also eine Frau mit männlichen Geschlechtsmerkmalen. Aber ich bin eine Frau – das alleine ist für meine Geschlechtsidentität wesentlich. Wir “T-Girls” sollten nicht versuchen, unser ‘T’ loszuwerden und zu verleugnen. Ich bin eine transsexuelle und das ist ok so.

Während ich früher, wenn mich jemand blöd musterte, etwas dachte im Stil von “Mist sie haben’s bemerkt und halten mich jetzt für einen rocktragenden Mann”, denke ich heute in derselben Situation eher etwas im Stil von: “Ja Du siehst richtig, vor Dir steht eine transsexuelle Frau” und bin nicht im Geringsten der Meinung, dass dies etwas Schlechtes ist. Transsexuelle Frauen sieht man nicht täglich und oft dürften Leute in so Situationen viel weniger Schlimmes denken als wir befürchten. Nicht jeder der uns genau mustert, denkt: “wäh eine Transe”, bei vielen dürfte es eher so in ihrem Kopf klingen: “gibt’s ja nicht, ist das nicht eine transsexuelle Frau? hätte nicht gedacht, dass mir mal so jemand begegnet”. Heutzutage haben viele Menschen schon etwas darüber erfahren, in Medizinsendungen oder sonstigen Dokus.

Ich bin der festen Auffassung, dass man als transsexuelle Frau nur dann mit der Öffentlichkeit klar kommt, wenn man die eigene Transsexualität nicht als Makel betrachtet sondern zu seiner andersartigen und ungewöhnlichen Wesensart steht.

Identifikation mit den positiven Aspekten transsexueller Menschen
Aber transsexuelle Menschen stehen von Anfang an im Sumpf der Vorstellung, dass Transsexuelle krank, kaputt, pervers oder minderwertig sind. Ok, wir haben körperliche Makel, aber wir haben dafür auch Wesensarten und Fähigkeiten, die im positiven Sinn aussergewöhnlich sind. Unser “Leben unter erschwerten Bedingungen” hat uns stark und hart gemacht, es lernte uns Toleranz und Einfühlungsvermögen, es öffnete uns den Vorhang zum Geheimnis der Geschlechtsunterschiede. Ich bin wirklich der festen Überzeugungen, dass viele meiner Wesensarten, die von meinem Umfeld speziell geschätzt werden, eine direkte Folge meines Lebens im falschen Körper und eines Lebens in falschen Rollenmustern sind. Ja ich bin ausser-gewöhnlich, aber wer will schon gewöhnlich sein? An diesen positiven Aspekten muss sich eine transsexuelle Frau festhalten, denn das ist es, was unser Wesen ausmacht, nicht diese kleinen anatomischen Anomalien.

Fazit und Ratschlag
Solange eine transsexuelle Frau versucht, eine “normale Frau” zu sein, wird sie endlos in die Wand rennen. Jedes Lebewesen muss stolz sein auf das was es ist, das ist bei uns transsexuellen Frauen nicht anders. Alle Menschen sind einzigartig und ihre Einzigartigkeit macht sie zu dem, was wir schätzen oder ablehnen. Transsexuelle Menschen müssen lernen, ihre Einzigartigkeit als das anzunehmen was sie ist. Wenn eine transsexuelle Frau das ist, was sie ist und dieses so-sein ganz entfaltet, dann hat sie allen Grund stolz zu sein – egal ob Andere das auch so sehen.

Dieser Beitrag ist eine Kopie von zwei Beiträgen meines Blog-Tagebuchs:
Wer zeichnet mein Selbstbild?
Transsexualität und Selbstsicherheit

Ausserdem verweise ich noch auf diesen Beitrag aus meinem Blog-Tagebuch:
Der Stolz einer Trans-Frau

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Umgang mit negativen Reaktionen

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside.

(Arianna Davis)

Die erste Zeit ist mit Abstand die Schwerste, das hat aber auch etwas Gutes, es geht von Tag zu Tag aufwärts ;-) Zu Beginn sieht man ziemlich bescheiden aus, man wird von den meisten Menschen auf den ersten Blick als “Mann in Frauenkleidern” wahrgenommen und das tut grausam weh und braucht enorm viel Kraft und Rückgrat. Das führt bei den Meisten – auch bei mir – zuerst zu Vermeidungsstrategien und die sind absolut zerstörerisch und müssen bekämpft werden.

Ich bin transsexuell – na und?
Gerade weil man zu Beginn viele schräge Blicke oder Schlimmeres erdulden muss, ist es umso wichtiger, innerlich die richtige Einstellung zu haben. Widerstehe dem Drang, eine “normale Frau” zu sein und unerkannt zu sein. Steh zu Dir selbst. Du bist eine transsexuelle Frau, hast Dir das nicht ausgesucht und nicht verschuldet, Du bist einfach so und das ist ok. Die Glotzerei Deines Umfelds und allfälliges Gegrinse sind nicht Ausdruck Deiner Abartigkeit sondern Ausdruck des Unverständnisses. Die Leute sind irritiert, weil sie sowas in der Regel noch nie gesehen haben, lass sie gucken, das soll nicht Dein Problem sein. Eine Raupe ist irgendwie niedlich, ein Schmetterling ist wunderschön, aber der Cocoon sieht befremdend aus, damit musst Du leben – im Bewusstsein, dass Du mit der Zeit fliegen lernst.

Mit jedem Tag wird es besser
Gerade in der Anfangszeit, wenn Du viel beobachtet und belächelt wirst, halte Dir immer vor Augen, dass Du Dich fortan von Tag zu Tag entwickeln wirst. Am Anfang schauen Dich 90% der Leute blöd an, dann 80%, dann 70%, irgendwann aber wird der Tag kommen, an dem 90% der Leute Dich nicht mal mehr beachten, an dem Du ein Mädel unter Tausenden bist. Selbst dann wird es gelegentlich Leute geben, die Deine Andersartigkeit bemerken, aber diese sind bis dann eine Minderheit und mit der wirst Du leben können. Aber es wird ganz langsam aufwärts gehen, so langsam, dass Du es kaum bemerkst. Doch eines Tages wirst Du zurückblicken und verwundert feststellen, dass alles anders geworden ist. Bei mir war es genauso, zu Beginn fühlte ich wie in einem Zoo, ich wurde angestarrt als ob ich ein Alien wäre, heute gehe ich in der Menge unter und nur noch selten schaut mich jemand irritiert an. Und selbst dann kann ich über der Sache stehen, weil mich diese ganze harte Zeit stark gemacht hat und ich heute zu mir stehen kann, als eine transsexuelle Frau, die sich für nichts zu schämen hat, gerade weil sie nichts anders tut als sich selbst zu sein, etwas was den meisten der sogenannt Normalen nie gelingt.

Den Mutigen gehört die Welt
Wichtig dabei ist, dass man sich nicht versteckt. Wozu erkämpfe ich mir mein Leben, wenn ich es dann im Geheimen leben muss? Ich habe ein Leben lang darunter gelitten, nicht mich selbst sein zu können. Jetzt kann und tue ich genau das, mich jetzt zu verstecken, wäre Verrat an mir selbst und würde meinen Weg zur totalen Sinnlosigkeit degradieren. Du hast Dich entschieden, Dich selbst zu sein und für Dich einzustehen, dann geh Deinen Weg und lass die Leute reden, oder lass sie lachen, lass sie spotten, aber geh Deinen Weg weiter, Dir selbst treu, so wirst Du wahres Leben finden!

Dieser Beitrag ist eine Kopie von Texten aus meinem Frage-Blog und Blog-Tagebuch und wird gelegentlich ersetzt durch einen umfangreicheren Beitrag:
Aller Anfang ist schwer – Angst vor der Öffentlichkeit

Ausserdem verweise ich auf einen Text in meinem Blog-Tagebuch in dem ich von einem Erlebnis erzähle, in dem eine negative Erfahrung auch positiv gesehen werden konnte:
Positives Denken als transsexuelle Frau?

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Leben im richtigen Geschlecht – der Alltagstest

Aber wenn man einmal das andere weiss,
dann hat man die Wahl nicht mehr,
den Weg der meisten zu gehen.
Der Weg der meisten ist leicht, unserer ist schwer.

(Hermann Hesse, Demian)

Was die medizinische Welt zynisch Alltagstest nennt, ist viel härter als der Alltag einer transsexuellen Frau, die diesen Prozess hinter sich hat. Es gibt noch keine Verweiblichung des Gesichts, die Epilation ist noch offen, man hat keine Ahnung wie man sich kleiden oder schminken soll, das Selbstbewusstsein beginnt ganz unten…….. Man durchlebt viel in einer härteren Form als später im Leben. darüber möchte ich hier schreiben. Aber das Thema ist so vielfältig, dass das nicht am Stück geht, ich werde es also vorläufig immer mal wieder ergänzen, bis die wesentlichen Punkte drin sind.

Anmeldung zur Begutachtung
Wer den offiziellen Weg gehen will, sollte sich raschmöglichst bei einem Psychiater zur Begutachtung melden, denn ohne ein psychiatrisches Gutachten kommt man nicht weit auf diesem Weg. In den meisten Ländern gibt es Fristenlösungen, in der Schweiz heisst das beispielsweise, ein Jahr unter psychiatrischer Begleitung im “angestrebten Geschlecht” zu leben, dann ein Jahr Hormontherapie, dann GaOp. Deshalb sollte man sich so früh wie möglich irgendwo anmelden, idealerweise in einem Kompetenzzentrum, weil die nicht nur die Vernetzung einzelner Fachbereiche bieten sondern auch anerkannte Gutachten liefern.

Bestätigung des Psychiaters
Lass Dir vom behandelnden Psychiater eine Bestätigung ausstellen, in der steht, dass Du wegen Transsexualismus in Behandlung bist und deshalb nicht in dem Geschlecht und unter dem Namen auftrittst, der im Ausweis steht. Es sollte drauf stehen, welchen Namen Du trägst und welcher im Ausweis steht. So eine Bestätigung ist zwar nicht rechtsgültig, kann aber hilfreich sein bei Ticketkontrollen oder wenn man eingeschriebene Post abholt.

Bart-Epilation
Da der Bartwuchs durch die Hormontherapie nur vermindert aber nicht beendet wird, muss man sich nicht nur weiter rasieren sondern sollte den sogenannten Bartschatten reduzieren. Dunkelhaarige sind mit dem Laser gut bedient, bei Hellhaarigen sind diesem Verfahren Grenzen gesetzt und eine ergänzende Nadelepilation kann in Frage kommen. Ich empfehle halbjährlich zwei Laserbehandlungen im Frühjahr und Ende Herbst. Diese würde ich auf einen Freitag legen, damit die Haut übers Wochenende etwas heilen kann, man sieht nämlich arg angebrutzelt aus nach dem Lasern. Freitag bis Montag reicht doch, dass man mit etwas gutem MakeUp wieder lichttauglich wird.

Dieser Beitrag ist gerade in Bearbeitung und wächst vorläufig weiter……

Nachfolgend kommen einige Beiträge, die spezielle Aspekte des Alltagsleben behandeln wie das Selbstbewusstsein oder die Kleidungsfrage.

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Kleider machen Leute – eine Stilfrage

Kleider machen Leute, dieses Sprichwort kennen wir ja alle. Gerade transsexuelle Frauen fallen genau da in die Falle, weil sie glauben, sie müssten ihre körperlichen Makel mit übertriebener Kleidung wettmachen und infolgedessen sehen sie schnell mal aus wie ein Travestiestar und werden zur Karikatur ihrerselbst.

An anderer Stelle habe ich betont, dass ich es für sehr hilfreich halte, wenn wir feminime Akzente setzen. Wer androgyn rumläuft, irritiert das Umfeld und bewirkt, dass man viel genauer betrachtet wird, um einsortierbar zu sein. Es ist für ein ruhiges und unauffälliges Leben enorm hilfreich, wenn man aufgrund geschlechtsspezifischer Akzente sofort als Frau klassifiziert wird, aber wenn man damit einen Overkill produziert, wird man zur Lachnummer.

Keine Frau läuft an einem normalen Tag im knallroten Lackmini auf 14cm HighHeels durch die Strassen, keine Frau kleistert ihr Gesicht mit Farbe zu wie ein Clown und keine Frau läuft durch Shoppingmeilen im CatWalk.

Gerade für uns transsexuelle Frauen ist es eine Gratwanderung. Einerseits dient es unserem Passing, wenn wir feminime Akzente setzen und weibliche Stereotypen erfüllen, anderseits macht uns ein zuviel-des-Guten zum Transvestiten.

  • Röcke verbessern das Passing, aber es muss kein Lackmini sein.
  • Lippenstift macht feminimer, aber er muss nicht grad knallrot sein.
  • Makeup macht unser Gesicht sanfter, aber schichtweise aufgetragen sehen wir mumienhaft aus.
  • Mascara und Kajal erhöhen den weiblichen Look, aber eimerweise aufgetragen wirds eher witzig.
  • Schuhe mit Absätzen sind ein klar weibliches Attribut, aber überhöht wirkt es bestenfalls nuttenhaft, schlechtestenfalls einfach unecht
  • Schaukelnde Hüften sind toll, aber wenn man an den Wänden anschlägt wirkt’s wie in einem Comics

Nebst der Frage des Übertreibens oder Untertreibens ist das Ganze jedoch vorallem eine Frage des Stils. Jede Frau hat ihren Stil, der ihrer Wesensart entspricht. Die Eine ist eher sportlich, die Andere eher elegant. Es gibt die verschiedensten Arten von Frauen und auch Du hast Deinen eigenen Stil. Latzhose und HighHeels passen nunmal nicht und Tshirt/Jeans/Turnschuhe wirken seltsam mit einem lady-liken Parfüm oder Makeup. Such Dich selbst, was für eine Wesensart bist Du? Finde das heraus und dann style Dich entsprechend.

Passing dank Kleidung und Styling
Vorallem in der Anfangszeit sehen transsexuelle Frauen nunmal eher aus wie Kerle in Frauenkleidern und das macht den Gang an die Öffentlichkeit zu einem Spiessrutenlauf. Blöde Blicke zermürben uns und wir würden am liebsten mit einer Burka rumlaufen. Zaubern können wir nicht, breite Schultern, tiefe Stimme, Bartschatten und vieles mehr sind als ob wir ein Schild über dem Kopf hätten auf dem steht: “ey guck und grins blöd”. Aber wir können doch so einiges verbessern. Damit lässt sich nicht auf Anhieb ein 100% Passing hinkriegen, aber es hilft schon viel, wenn die grosse Mehrheit einem nicht mehr bemerkt. Um das zu erreichen, heisst es: Akzente setzen!

Nachfolgende Bilder aus meiner Anfangszeit sind zwei Monate voneinander entfernt, auch wenn ich beim neueren Bild noch weit entfernt davon war, “meinen Stil” gefunden zu haben, sind die Unterschiede doch erstaunlich und zeigen, was für ein Potential ein geschlechtstypisiertes Styling haben kann.

Der Hirnscanner sucht Akzente
Das menschliche Hirn ist eine lustige Kiste. Wir scannen unsere Umwelt und unser Hirn registriert alles was kreucht und fleucht, in dem es markante Punkte wiedererkennt. Selbst ein Strichmännchen oder ein Smiley wird sofort erkannt, weil die wesentlichen Eckpunkte erkennbar sind. Wenn wir durch die Strassen laufen, registriert unser Hirn alles was sich um uns rum bewegt. Alles wird klassifiziert und löst gegebenenfalls Reaktionen aus wie Angst, Irritation oder Sonstiges. Wenn jemand einem Wesen begegnet, das nicht sofort als männlich oder weiblich erkennbar ist, beginnt der Feinscanner, das heisst, wir analysieren das Gegenüber viel detaillierter. Und genau hier liegt nun der Trick.

Jenseits der Androgynität
Die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich erfolgt aufgrund von Klischees und anatomischen Eckpunkten. Läuft jemand in Jeans-Tshirt-Turnschuhen vorbei und hat auch noch kurze Haare, dann muss unser Hirncomputer genauer hinschauen was das für n’Ding ist. Kommt da jedoch was mit kurvigem Körper, langen Haaren, Rock auf hohen Absätzen, mit Farbe im Gesicht…… spätestens da wird das Gegenüber in die Weiberkiste geschmissen und damit ist in der Regel die Sache erledigt.

Der Mensch – das Piktogramm
Wir sind uns das nicht bewusst, aber wir scannen tatsächlich alles um uns rum. Wo sofort vermeintliche Klarheit herrscht, ignorieren wir das Gegenüber. Deshalb ist nach meiner Erfahrung enorm hilfreich, wenn man Akzente setzt, die unserem Umfeld mit klaren Signalen zeigen, was für ein Geschlecht wir sind.

Man kennt ja diese Piktogramme auf Klos. Noch einfacher ging’s nicht. Trotzdem sieht man immer sofort, welches das Herren- und welches das Damenklo ist. Genau das können wir uns zunutze machen.

Kein Overkill – dezente Akzente
Dabei ist es aber ebenso wichtig, keinen Overkill zu fabrizieren. Keine Frau läuft rum wie ein PinUp Model. Roter Lackmini und 14cm Pumps sind zwar feminim, fördern aber nicht grad die Unauffälligkeit oder die Natürlichkeit. Es geht hier nicht darum, vollgas zu geben sondern dezent die wesentlichen Akzente zu setzen. Ein schlichter Rock, feminime Schuhe, dezenter Lippenstift und etwas Dunkelzeuchs um die Augen und schon sind die uns umgebenden Hirncomputer zufrieden und klassifizieren uns auf den ersten Blick korrekt.

Die Mehrheit zählt
Klar, wenn jemand genauer hinschaut, dürften nur Wenige so gut rüberkommen, dass es nicht zu Irritationen führt. Aber nach meiner Erfahrung stärkt es das Selbstbewusstsein erheblich, wenn wenigstens die grosse Mehrheit an einem vorbeiläuft, ohne dass die Augen aus den Höhlen treten.

Svenja hat einmal eine 7-teilige Serie zum Thema Passing geschrieben, die ich an dieser Stelle wärmstens empfehle. Abgesehen von dem für sie typischen Humor, ist diese Serie voll von wertvollen Tipps: Svenja: 7 Tipps für ein besseres Passing

Dieser Beitrag ist ein Mix aus zwei Beiträgen meines Fragen-Blogs:
Kleider machen Leute – viel aber nicht zuviel
Passing dank Kleidung und Styling
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Das soziale Umfeld erweitern

Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt,
und sie Dir vorsingt, wenn Du sie vergessen hast.

Neben einem gesunden Selbstbild ist wohl nichts so massgebend für den Erfolg dieses Prozesses wie das soziale Umfeld. Wer da gestützt und unterstützt wird, hat gute Karten. Wer keine verlässlichen Sozialpartner hat, wird viel mehr zu beissen haben an diesem enorm schweren Prozess. Das bedeutet nicht nur, dass man bestehende Freundschaften pflegen muss und gerade ihnen gegenüber mit schonungsloser Offenheit begegnet, es bedeutet auch, dass man neue Freundschaften braucht.

Eine Frau braucht gute Freundinnen
Es dürfte oft so sein, dass transsexuelle Frauen vorallem “Kumpels” als Freunde haben, sie lebten schliesslich bis anhin ein scheinbar männliches Leben. Aber jede Frau braucht Freundinnen, gute Freundinnen, die ihr emotional beistehen in Frauenfragen, die ihr aber auch beispielsweise in Stilfragen unter die Arme greifen. Gerade für transsexuelle Frauen ist es elementar, dass sie solche guten Freundinnen haben, weil man in der Anfangszeit mit vielem überfordert sind. Welcher Kleidungsstil passt, wie schminke ich mich und vieles mehr. Wer da eine gute und ehrliche Freundin hat, wird einiges schneller ein sicheres Auftreten haben.

Frauengespräche fördern das Selbstbewusstsein
Aber nicht nur so praktische Gründe sprechen dafür, es geht auch um die Selbstwahrnehmung. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass nichts so bestärkend ist wie wenn ich in einer Frauenrunde einen gemütlichen Abend verbringe oder mit einer Frau ein “Weibergespräch” führe. Frauen reden unter einander anders als Männer oder gemischte Gruppen. So ein Frauengespräch bestärkt einem enorm in dem Gefühl, wirklich Frau zu sein und als Frau angenommen zu sein.

Neue Freundschaften ohne Altlasten
Ein weiterer Punkt der nicht zu unterschätzen ist hat damit zu tun, dass diejenigen, die uns von früher her kennen, diesen “Kerl” von früher nie ganz aus dem Kopf kriegen, wie sollten sie auch, diese Bilder der Vergangenheit sind im Hirn gespeichert und dringen immer mal wieder durch. Ich machte die Erfahrung, dass Menschen, die nur Diana kennen, viel einfacher mit meiner Andersartigkeit umgehen können. Sie wissen zwar um meine Transsexualität, aber sie kennen nur Diana und nehmen mich ganz anders wahr als diejenigen, die “einen Mann kannten der Frau wurde”. Das soll nicht heissen, dass man sich von alten Freunden trennen soll, keinesfalls, diese sind unglaublich wertvoll. Aber es ist eine stärkende Bereicherung, wenn man auch neue Bekanntschaften hat und mit denen erleben darf, wie unspektakulär man wahrgenommen wird. Ich hatte das Glück, ein neues Stamm-Pub zu finden, in dem man mich vorher nicht kannte. Dort bin ich nun allen bekannt, für alle bin ich einfach Diana, eine transsexuelle Frau, aber vorallem eine Frau. Mich haben die Leute dort enorm gestärkt auf meinem Weg, das kann ich nur dringendst empfehlen.

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Die Hormontherapie bei transsexuellen Frauen

WICHTIG!!! Eine Hormontherapie gehört unter Kontrolle eines fachkundigen Arztes resp. Endokrinologen. Selbstmedikation ist lebensgefährlich. Dass ich hier trotzdem Ratschläge dazu gebe, hat damit zu tun, dass viele sich während des Alltagstests selber Hormone verschaffen. Da möchte ich Schadensbegrenzung betreiben und niemandem raten, es zu tun.

  • Wo kann ich im Internet Hormone bestellen?
  • Wo bekomme ich Östrogene oder Testosteronblocker (Androcur)?
  • Wo kann ich Diane-35 bestellen

So oder ähnlich lauteten schon viele Mailanfragen, die mich über mein Blog-Tagebuch erreichten. Sinngemäss habe ich stets dieselbe Antwort gegeben:

Selbstmedikation ist eine sehr gefährliche Sache
Bei einer Hormonbehandlung (HRT) setzt man sich vielen Risiken aus wie Thrombosen, was zu einer tödlichen Embolie führen kann oder Schädigung der Leber. Eine HRT sollte immer von einem Arzt überwacht werden. Wenn man es wirklich nicht lassen kann und das Risiko einer Selbstmedikation eingeht, ist es absolut wichtig, dass man mindestens alle 6 Monate die Blut- und Leberwerte von einem Hausarzt überprüfen lässt. Die ziehen zwar die Augenbraue hoch, wenn man sagt, man würde selbstständig Hormone nehmen, aber sie lynchen einem deswegen nicht grad und sind in der Regel bereit, die Blutwerte zu überprüfen.

Vorsichtige Dosierung
Bei der Dosierung ist es wichtig, dass man langsam einsteigt. Man liest im Internet die wildesten Zahlen, die von 2mg Estradiol bis 8mg variieren. Auch beim Testosteronblocker Androcur varieren die Empfehlungen von 10-100mg. So Empfehlungen sind Unsinn, weil es dabei auf Alter, Gewicht und was weiss ich ankommt. Zu Beginn würde ich keinesfalls mehr als 2mg Estradiol und 20mg Androcur nehmen. Ich persönlich habe mit 2mg Estradiol angefangen. Nach knapp 2 Monaten dann auf 4mg erhöht. Dann kam 25mg Androcur dazu, das später auf 50mg erhöht wurde. Dabei ist zu bedenken, dass es verschiedene Östrogene gibt. Meines Erachtens sollte man ohne Ärztliche Verschreibung nicht mehr als 4mg Estradiol und 50mg Androcur nehmen.

Spiel mit dem Feuer
So oder so muss nochmal betont werden, dass es ein gefährliches Spiel mit dem Feuer ist, so eine HRT kann zu irreversiblen Schäden bis hin zum Tod führen. Vorallem Raucherinnen haben zusammen mit den Östrogenen ein ca. 20-faches Thrombose-Risiko!

Antibaby-Pille Diane-35
Häufig fragen mich Mädels an wegen der Antibaby-Pille Diane-35. Diese ist bei transsexuellen Frauen im Anfangsstadium sehr beliebt, weil sie neben dem Östrogen ein wenig Testosteronblocker drin hat. Dazu gibt’s nur eins zu sagen: FINGER WEG! Erstens hat Diane-35 eine Estradiol-Variante drin, die für eine Transition nicht geeignet ist und was viel schlimmer ist, sie ist in Bezug auf das Thromboserisiko eine der gefährlichsten Pillen. Wer unbedingt die Pille will, sollte eher “Estrofem 2mg” nehmen, die wird mir jetzt auch von der Endokrinologie verschrieben.

Pflaster sind besser als Pillen
Da Pillen über die Leber aufgenommen werden und diese arg belasten (vorallem wenn zusätzlich Androcur eingenommen wird), ist es empfehlenswert, anstelle dessen Hormonpflaster zu nehmen. Diese gehen nicht über die Leber und sind deshalb verträglicher. Ich habe eine Zeit lang “EvoPad 100mcg” genommen. Bei diesen sollte zu Beginn nur ein Pflaster pro Woche verwendet werden, später kann man zwei Mal pro Woche eines nehmen. Um hoch zu dosieren, nimmt man jede Woche zweimal jeweils zwei Pflaster. So hoch sollte man bei einer Selbstmedikation meines Erachtens jedoch nicht gehen.

Hormone im Internet bestellen
Im Internet wimmelt es von Online-Apotheken, die unseriös sind. Bestenfalls verliert man eine Menge Geld, schlechtestenfalls bekommt man Medikamentekopien die schwer gesundheitsschädigend sein können. Ich habe mit GoldPharma gute Erfahrungen gemacht. Die Abrechnungen waren immer ok, die Lieferung erfolgte innert einer Woche zuverlässig und die Medikamente waren ok. Dort ist sowohl EvoPad, Estrofem (=Estrifam) als auch Androcur erhältlich.

Das ist KEINE Empfehlung
Ich möchte nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich niemandem empfehle, selbstständig Medikamente zu verabreichen. Das ist hochgefährlich! Auch meine “Empfehlungen” erfolgen nur deshalb, weil ich weiss, dass Viele diesen Weg gehen auf Teufel komm raus. Da halte ich es für sinnvoll, auf bewährte Apotheken zu verweisen oder Dosierungsbeispiele abzugeben. Aber all meine Angaben sind nur von mir selbst geprüft, wer sich bei so einer Selbstmedikation die Finger verbrennt, ist selber schuld und soll sich anschliessend nicht bei mir beklagen.

Meine Empfehlung lautet:
Geht dieses Risiko nicht ein, wenn es irgendwie zu vermeiden ist.

Dieser Beitrag ist eine Kopie eines Textes aus meinem Fragen-Blog und wird gelegentlich durch einen umfangreicheren Text ersetzt:
HRT: Hormone im Internet bestellen
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Stimmtraining und Logopädie

Während transsexuelle Männer den Vorteil haben, dass sie bei Einnahme von Testosteron den Stimmbruch bekommen und sich die Stimme dem Geschlecht anpasst, ist bei transsexuellen Frauen der bereits in der Pupertät eingetretene Stimmbruch irreversibel. Man kann zwar Stimmbandoperationen machen, aber die sind doch ein zusätzliches Risiko und das Resultat möglicherweise etwas comics-artig. Was jedoch viel bringt, ist Stimmtraining mittels Logopädie. Damit kann man zwar nicht zaubern, aber man rückt die Stimme und viel mehr die Sprechweise in die richtige Richtung.

Eine wesentliche Stimmerhöhung ist mit Logopädie nicht möglich. Man müsste etwa eine Oktave (8 Töne) höher kommen für eine typisch weibliche Stimme, schafft aber in der Regel kaum mehr als 2-3 Töne. Aber das ist halb so wild, es gibt genug Frauen mit tiefer Stimme. Wichtiger ist die Aussprache. Frauen verhauchen die Worte mehr, was ein sanfteres Sprechen bewirkt und Männer akzentuieren die Wortanfänge stärker, was die Worte abgehackter wirken lässt. Ausserdem gibt es grosse Unterschiede in der Satzmelodie und vieles mehr.

Logopädie funktioniert so, dass man mit gezielten Übungen den Automatismus der Sprache verändert. Rund ein dutzend Sitzungen bei einer guten Logopädin plus ein paar Übungsstunden zuhause, reichen, damit die Sprache deutlich weiblicher wird. Das Gute daran ist, dass man dazu nicht ständig die Stimme kontrollieren muss. Diese Übungen sind so ausgelegt, dass “das Sprechhirn” umlernt und die neue Sprechweise in den Automatismus übergeht. Mit der Zeit spricht man einfach sanfter, ohne dass man sich das noch bewusst ist.

Bei mir reicht das, damit Menschen die mich sehen, die Stimme als relativ weiblich empfinden. Aber nur in Kombination mit dem Auge. Am Telefon werde ich nachwievor als Mann angesprochen. Aber damit lässt sich einigermassen gut leben. Vor der Logopädie hatte ich oft Momente, in denen mich beispielsweise in einem Laden Leute als Frau wahrgenommen haben, aber wenn ich dann etwas sagte, löste das enorme Irritationen aus. Unterdessen ist das Vergangenheit, wenn ich mal optisch in der Schublade “Frau” bin, wird die Stimme vielleicht als ungewöhnlich aber nicht mehr als völlig unpassend wahrgenommen.

Deshalb empfehle ich Dir, so früh wie möglich darauf zu drängen, dass Du vom behandelnden Arzt an die Logopädie verwiesen wirst, es wird Dir das Passing und somit den Alltag bedeutend vereinfachen.

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GaOp – die geschlechtsangleichene Operation

Eine geschlechtsangleichende Operation (GaOp) ist der letzte Schritt von transsexuellen Menschen, mit dem mittels plastischer Chirurgie (Wiederherstellungschirurgie) der äussere Körper dem Hirngeschlecht angeglichen wird. Es handelt sich dabei nicht wie in Medien oft geschrieben um eine Geschlechtsumwandlung sondern um “geschlechtsangleichende Massnahmen”, mit denen man den Körper dem wirklichen im Hirn festgelegten Geschlecht ähnlich macht. Die GaOp ist für viele transsexuelle Menschen der letzte medizinische Schritt zu einem menschenwürdigen Leben. Eine Massnahme, die nach langer Leidenszeit das Äussere mit dem Inneren in Einklang bringt und damit eine unerträgliche Spannung löst.

Genitalangleichende Operation
Bei der GaOp wird das männliche Geschlechtsteil in eine sogenannte NeoVagina umgeformt. Was kaum vorstellbar ist, wird dank plastischer Chirurgie mit überraschend gutem Resultat möglich. Kurz zusammengefasst und stark vereinfacht wird dabei folgendermassen vorgegangen:

  1. Die Hoden werden entfernt.
  2. Der Schwellkörper und der Grossteil der Eichel werden entfernt.
  3. Die Harnröhre und ein Stück der Eichel (für die NeoKlitoris) wird verlegt.
  4. Im “Innenraum” wird durch Verschieben und Herumwürgen etwas Platz geschaffen.
  5. Die nun hohle Penishaut wird am Ende zusammen genäht und nach innen gestülpt.
  6. Aus dem Rest der Eichel wird die Klitoris geformt
  7. Aus einem Teil des Hodensackes werden die Schamlippen geformt.

Risiken einer GaOp
Diese GaOp birgt eine Reihe von Risiken, wenn beispielsweise wichtige Nerven versehentlich gekappt werden, fühlt man da nichts mehr. Es kann mit der Harnröhre Probleme geben und vieles mehr. Die Chancen stehen zwar gut, dass man diesen Eingriff schadlos übersteht, aber die Risiken sind nunmal da.

Genesung nach der GaOp
Wenn alles ohne Komplikationen abgelaufen ist, bleibt man etwa zwei Wochen im Spital. Man kann zwar schon nach etwa einer Woche das Bett ein wenig verlassen, aber wegen der Nachbetreuung muss man ne Weile da bleiben. Wie es anschliessend weiter geht, da gehen die Erfahrungen weit auseinander. Es wird auch sehr auf den Job ankommen. In meinem Fall als stets sitzende Softwareentwicklerin konnte ich schon eine Woche nach der GaOp 50% arbeiten und nach zwei Wochen 80%.

Sexuelle Empfindungen
Da dieser Eingriff so ziemlich an die Grenzen der Möglichkeiten der plastischen Chirurgie geht, kann nicht erwartet werden, dass alles wundervoll läuft. Schwere Schädigungen sind zwar selten, aber die Frage wieviel man nach der Op fühlt, ob und wie es mit der Erregbarkeit steht, ob man “penetrationsfähig” ist oder sogar orgasmusfähig, all das ist in Frage gestellt. Eine gute Freundin von mir, die bei dem Chirurgen operiert wurde, der auch meine Op machen wird, kann all diese Fragen positiv beantworten, sie ist rundum zufrieden. Aber bei einigen ist das eine oder andere beeinträchtigt. Gerade bei diesem Thema müssen Betroffene sich bewusst sein, dass sie mit entsprechenden Verlusten rechnen müssen. Bei mir persönlich ist es so, dass mir die sexuellen Aspekte nicht soooo wichtig sind, aber nichts zu fühlen wär doch schwer zu verdauen. Aber wenn einem die Sexualität sehr wichtig ist, muss man sich dieses Risiko wirklich gut überlegen.

Fakten über Fakten – alles über die GaOp
Das ist wie gesagt stark vereinfacht. Eine sehr ausführliche Geschichte der Geschlechtsangleichungen samt detaillierter Erklärung des Operationsvorgangs samt aussagekräftigen Skizzen und am Schluss einige Fotos der Operationsergebnisse nach erfolgter Verheilung.

Operativ aufgebaute Vagina bei Mann zu Frau Transsexualität
Operation Frau (Dr. Krege)

Fazit – wenn’s sein muss, muss es halt sein
Ich denke, man sollte diese Operation nicht machen, nur weil man es möchte. Man sollte es nur machen, wenn man es machen muss. Das ist keine Blinddarmoperation, es ist ein schwerer Eingriff mit möglicherweise fatalen Konsequenzen. Nur wenn jemand ohne diesen Schritt nicht sein kann, dann muss es halt sein….. und dann ist es auch die einzige Möglichkeit.

Dieser Beitrag ist eine Kopie eines Textes aus meinem GaOp-Tagebuch und wird gelegentlich ersetzt durch einen neueren Text.
Was ist eine GaOp?

Ausserdem verweise ich auf mein GaOp-Tagebuch, in dem es neben dem Tagebuch selbst noch ein paar informelle Themen-Seiten hat (siehe Tabulatoren ganz oben im Blog):
Dianas GaOp Blogtagebuch
GaOp Voraussetzungen
GaOp Nachbehandlung
GaOp Listen (ToDos, Packlisten, Heilmittel….)

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Namens- und Personenstandsänderung

Ich kenne nur das offizielle Verfahren in der Schweiz und beschreibe vorerst nur mal dies. Für Deutsche gelten die Angaben des “Transsexuellengesetzes” TSG.

In der gelten folgende Vorbedingungen:

  1. Ein Jahr lang leben im “angestrebten Geschlecht” (Alltagstest)
  2. Ein Jahr Hormontherapie
  3. Geschlechtsangleichende Operation

Darauf kann man die Namens- und Personenstandsänderung vor Gericht beantragen. Dazu schickt man einen Antrag an das für den Wohnort zuständige Bezirksgericht mit ungefähr folgendem Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Präsident
Sehr geehrte Damen und Herren

In Sachen

Diana Sowieso (bisher: Johannes Sowieso) Gesuchstellerin
geboren am 01.01.1966, von Aarau,
wohnhaft an der Irgendwostr.11, 8000 Zürich

Personenstands- und Vornamensänderung

stelle ich, die Gesuchstellerin, folgendes Begehren:

Das regionale Zivilstandsamt Zürich, der Wohnort der Gesuchstellerin und/oder das regionale Zivilstandsamt Aarau, der Bürgerort der Gesuchstellerin, seien anzuweisen, die Register betreffend der Gesuchstellerin wie folgt zu bereinigen:
1.der Personenstand sei von männlich auf weiblich zu ändern
2.der Vorname sei von Johannes auf Diana zu ändern

Begründung:
Die Gesuchstellerin lebt seit Anfang 2009 als Frau und trägt im Alltagsleben den Namen Diana. Dem Operationsbericht vom 16.11.2010 ist zu entnehmen, dass am 15.11.2010 bei der Gesuchstellerin aufgrund der Diagnose „Transsexualismus“ eine geschlechtsanpassende Operation (Mann zu Frau) durchgeführt wurde und somit keine Zeugungsfähigkeit mehr besteht.

Ich bitte Sie, das vorliegende Begehren gutzuheissen, und danke Ihnen für Ihre Bemühungen.

Diesem Antrag MUSS der Operationsbericht des Chirurgen beigelegt sein, in dem bestätigt wird, dass eine irreversible Sterilisierung erfolgt ist.

In der Regel bekommt man dann ein Schreiben, in dem eine Vorauszahlung von etwa 250 Franken gefordert wird. Sobald der Beleg für die Zahlung beim Bezirksgericht eingetroffen ist, geht es los.

Darauf wird man vorgeladen oder das Gericht erledigt das selber, anschliessend bekommt man das Gerichtsurteil, das bestätigt, dass man weiblichen Geschlechts ist und Namen und Personenstand ändern kann.

Nun hat man eine Einsprachefrist (2-4 Wochen), die man einhalten muss, man kann nicht darauf verzichten. Anschliessend schickt man eine Bestätigung ans Gericht, dass man immer noch will und darauf bekommt man das rechtsgültige Urteil. Das Gericht weist dann den Heimatort an, die Daten im Computer zu ändern.

Sobald diese geändert sind, kann man im nächstbesten Passbüro oder Einwohnerkontrolle alle Ausweise bestellen, muss dabei einfach das Gerichtsurteil beilegen.

Es empfiehlt sich, zuerst den Führerschein zu machen, weil der nicht eingeschrieben kommt. Andernfalls hat man ein Problem, denn die neue Identitätskarte kommt auf den neuen Namen und nach dem kann man sich noch nicht ausweisen. Oder man schreibt jemandem eine zeitllich beschränkte Vollmacht zur Postabholung.

Hat man dann die Identitätskarte, kann man mit dieser in Kombination mit dem Gerichtsurteil Bankkonten, Kreditkarten und alles Andere problemlos ändern.

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Das neue Leben als ex-Transsexuelle

Einen Monat nach der GaOp kann ich darüber noch nicht viel sagen, werde das dann zu gegebener Zeit hier erzählen und später erweitern. Bis dieser Beitrag geschrieben ist, verweise ich auf Seiten in meinem Blog-Tagebuch:
GaOp – Wenn das ‘T’ weg fällt

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